Donnerstag, 27. Juni 2013

Der Skandal im Skandal: TÜV SÜD als Steigbügelhalter und willfährige Helfershelfer für die Millionen-Betrüger von S&K?



Die S & K-Immobilienfirma warb Anleger mit einer wert­losen Tüv-Bescheinigung für ihre dubiosen Fonds. Der Tüv ließ S & K gewähren. Nun sind die Gründer von S & K in Haft. Ihnen wirft die Staats­anwalt­schaft Betrug vor. Und die Anleger bangen um ihr Geld.

Auf Kunden­fang mit dem Prüf­ergebnis vom Tüv

Ob Note, Siegel oder Bescheinigung – wenn sie vom Tüv kommen, wecken sie Vertrauen. Das wussten auch Stephan Schäfer (S) und Jonas Köller (K), Chefs der Frank­furter Immobilienfirma S & K. Sie beauftragten den Tüv Süd, ihnen den Wert ihrer Immobilien zu bescheinigen. Mit dem Prüf­ergebnis des Tüv schickten sie dann Vermittler auf Kunden­fang. Zahllose Anleger vertrauten dem Tüv-Prüfbe­richt, der S & K noch Ende August 2011 einen Immobilien­bestand mit einem Verkehrs­wert von mehr als 101 Millionen Euro bestätigte. Dass Tüv-Firmen wenig Glück bei der Bewertung von Geld­anlagen hatten, zeigte sich schon vor Jahren. Der Tüv Rhein­land stellte seine umstrittenen Beur­teilungen 2008, der Tüv Nord Ende 2009 ein.

Eine Chronik der Pleiten

Wie falsch die Bescheinigung des Tüv Süd war, dürfte Anlegern am 19. Februar 2013 geschwant haben. Im Rahmen einer bundes­weiten Groß­razzia wurden die S & K-Gründer Schäfer und Köller sowie die Geschäfts­führer von Firmen verhaftet, die mit S & K zusammen­gearbeitet hatten. Die Staats­anwalt­schaft wirft ihnen banden- und gewerbs­mäßigen Betrug vor. Zudem sollen Schäfer und Köller in Saus und Braus gelebt haben und dafür privat viel Anlegergeld auf den Kopf gehauen haben. Seit der Inhaftierung der S & K-Verantwort­lichen gehen Gesell­schaften, die mit S & K zu tun hatten, reihen­weise pleite die Chronik der Pleiten. Dazu gehören so bekannte Emissions­häuser wie die Deutsche Capital Management AG oder die SHB Inno­vative Fonds­konzepte. Auch sechs Immobilienfonds sowie das dazu­gehörige Emissions­haus United Investors sind insolvent. Weit über 100 Millionen Euro sollen Anleger in die Fonds einge­zahlt haben, bei denen nun vorläufige Insolvenz­verwalter prüfen, ob noch Vermögen vorhanden ist.

Anlegergeld auf den Kopf gehauen

Wahr­scheinlich ist das nicht, denn Fonds wie die Deutsche S & K Sach­werte und der Nach­folgefonds Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 investierten das Anlegergeld nicht direkt in Immobilien. Vielmehr gaben sie das Anlegergeld als Darlehen an das Emissions­haus United Investors weiter. Das wiederum reichte das Geld an S & K weiter. Schäfer und Köller nutzten das Geld für alles Mögliche. Unter anderem kauf­ten sie sich damit in Unternehmen ein, setzten dort Vertraute als Geschäfts­führer ein, um so an zusätzliche Barmittel zu kommen. Möglich wurde die Abzocke auch durch den vom Tüv Süd bescheinigten Verkehrs­wert des Immobilien­bestands der S & K-Gruppe.

„Da waren meine Zweifel weg“

„Ohne die Tüv-Bescheinigung“, sagt Peter Schulz* aus Potsdam, „hätte ich Ende 2012 niemals 25 000 Euro in den Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 der United Investors einge­zahlt.“ Die vom Vermittler der Euro Kontor aus Potsdam behauptete Auszahlung von 1 Prozent im Monat oder 12 Prozent pro Jahr, sei ihm auch für eine Immobilien­investition recht hoch vorgekommen. Doch der Vermittler habe ihm erklärt, dass S & K auf den Kauf von Immobilien weit unter Verkehrs­wert spezialisiert sei und deshalb viel höhere Rohgewinne als andere Immobilienfirmen erziele. Zum Beweis habe er die Tüv-Bescheinigung vorgelegt. „Da waren meine Zweifel vom Tisch gewischt“, sagt Schulz. „Bisher hielt ich den Tüv für hoch­seriös.“

Eine Stellung­nahme des Tüv Süd

Tatsäch­lich listete die Tüv Management Service GmbH An- und Verkaufs­preise der Immobilien schlicht auf der Grund­lage von Dokumenten auf, die S & K vorgelegt hatte. Ein Groß­teil der Wert­gut­achten wurde von einem Sach­verständigen abge­fasst, der jetzt in Unter­suchungs­haft sitzt. Was der Tüv für das Zusammenzählen der von S & K vorgelegten Zahlen kassierte, wollte er gegen­über Finanztest nicht mitteilen. Einsicht in die beiden Kriterienkataloge, die der Prüfung zugrunde liegen sollen, könne der Tüv nicht geben, weil er dem Auftrag­geber gegen­über zur Vertraulich­keit verpflichtet sei, erklärt Heidi Atzler von der Tüv Süd Unter­nehmens­kommunikation. Im Übrigen habe es sich um eine interne Bescheinigung gehandelt, bei der nach den Regeln des Kunden geprüft werde. S & K hätte damit nicht werben dürfen, verteidigt sich der Tüv.

Ein schlechtes Gewissen beim Tüv?

Ein schlechtes Gewissen hatte man beim Tüv aber wohl doch. In den Monaten vor der Inhaftierung der S & K-Bosse habe es „nach­drück­liche Gespräche“ gegeben, um die Anlegerwerbung mit dem Tüv-Papier zu stoppen. Leider habe das Thema nicht zufrieden­stellend geklärt werden können. Konsequentes Einschreiten gegen unerlaubte Werbung mit einer Tüv-Bescheinigung, die zudem noch als falsch erkannt ist, sieht anders aus. Schulz hat den Fall an Rechts­anwalt Jochen Resch aus Berlin übergeben. Der prüft, ob er den Tüv für den Schaden von Schulz haft­bar machen kann.
* Name von der Redak­tion geändert. 
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In der heutigen PlusMinus-Sendung erklärte ein Rechtsanwalt, daß der TÜV SÜD auf Schadensersatz in einer Höhe von über 200 Millionen Euro verklagt werde.
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Wenn Otto Normalverbraucher das Kürzel "TÜV" hört oder sieht, denkt er fast automatisch an die leidige TÜV-Hauptuntersuchung, die unsere Blechkarossen alle zwei Jahre über sich ergehen lassen müssen. Wenn wir uns nun also einmal vorstellen, S&K wäre ein Auto, sähe der Vorgang in etwa so aus:
Max Mustermann fährt zum TÜV und läßt dort die Lackqualität seines vierrädrigen Lieblings begutachten. Hierüber stellt der TÜV - wunschgemäß - ein Gutachten aus.
Am kommenden Wochenende inseriert Max Mustermann: VW Golf IV zu verkaufen, 25.000 km, alle Extras, TÜV tested, 7.500 Euro Festpreis.
Mit dieser Anzeige wird zwar fälschlicherweise, wenn auch bewußt, der Eindruck vermittelt, der Golf habe die TÜV-Prüfung absolviert - aber trotzdem könnte die Bodengruppe durchgerostet sein, der Motor einen Liter Öl auf 100 km verlieren und die Bremse so gut wie wirkungslos sein.
Dazu paßt, daß erst vor wenigen Wochen in den Medien berichtet wurde, daß Hunderte, vielleicht sogar Tausende Autos eine neue TÜV-Plakette spazierenfahren, obwohl die oder der TÜV-Prüfer die Fahrzeuge nie in Augenschein genommen oder auch nur flüchtig gesehen haben. Plakette gegen Bargeld - auch eine Methode, einem die Angst vor der HU zu nehmen...

Das Thema S&K wurde in diesem Blog bereits mehrfach behandelt, zuletzt z. B. hier: http://cafe4eck.blogspot.de/2013/05/anlageskandal-s-droht-totalverlust.html

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

TÜV Rheinland AG: Skandal-Zertifikat für SHB Innovative Fondskonzepte GmbH & Co. Objekte Fürstenfeldbruck und München Fonds KG

Wir machen es ja nun nicht mehr. So lautete im Kern die Antwort der TÜV Rheinland AG aus Köln auf die Frage des Finanznachrichtendienstes GoMoPa.net, warum der TÜV Rheinland im Jahre 2007 einer erst ganz frisch gegründeten Immobilienfondsgesellschaft ohne eine echte Wahrhaftigkeitsprüfung ein TÜV Zertifikat mit der Note "Sehr gut" ausstellte, mit dem dann 9.000 Anleger (Ratensparer) getäuscht wurden, die bis heute mehr als 170 Millionen Euro gezeichnet und davon schon mehr als 92 Millionen Euro einzahlt haben.

Das Zertifikat bescheinigte dem Immobilienfonds SHB Innovative Fondskonzepte GmbH & Co. Objekte Fürstenfeldbruck und München Fonds KG aus dem Einsteinring 28 in Aschheim bei München eine vom "TÜV Rheinland geprüfte Plausibilität".

Plausibel, also annehmbar, einleuchtend und nachvollziehbar, seien laut Urkunde die "Bewertungen der konzeptionellen, kommunikativen und wirtschaftlichen Daten der Emission."

"Ein Skandal", findet der Berliner Anlegerschutzanwalt Manfred Resch, denn der Verkaufsprospekt, die Flyer und die Vermittler verschleierten die Wahrheit.

Der Fondsflyer stellt heraus, dass der lukrativere Weg darin bestünde, nicht über Lebensversicherungen und Banken in Immobilien zu investieren und dafür 1,5 bis 5 Prozent Zinsen zu erhalten, sondern direkt Anteile an den Objekten in Fürstenfeldbruck und München zu erwerben und 5,75 Prozent thesaurierende Ausschüttung ab dem 1 Euro zu kassieren und Immobilienvermögen ohne persönliche Kreditaufnahme aufzubauen.

Der Fondsverkaufsprospekt spricht von geplanten Investitionen in Höhe von insgesamt rund 247 Millionen Euro, davon rund 190 Millionen Euro in den Erwerb von Immobilien. Auf den Seiten 38 bis 41 werden die einzelnen zu erwerbenden Immobilien einschließlich der Kaufpreise dargestellt.

Manfred Resch: "Dem Anleger wird auf diese Weise suggeriert, seine Einlage werde unmittelbar in Sachwerte investiert, so dass der Wert der Fondsimmobilien den Gegenwert zu seiner Einlage bildet."

In Wahrheit erwerben die Anleger nicht einen einzigen Stein von den im Flyer groß abgebildeten Immobilien Schwanthaler Straße 10 in München (vermietet an ein Casino), Industriestraße 10 in Fürstenfeldbruck (vermietet an einen Oralchirurgen, ein Pharma- und ein IT-Unternehmen) oder Livry-Gargan-Straße 10 in Fürstenfeldbruck (vermietet an eine Maschinenbaufirma).
................
http://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=1184&meldung=TUEV-Rheinland-AG-Skandal-Zertifikat-fuer-SHB-Renditefonds-Fuerstenfeldbruck-und-Muenchen

The sniper hat gesagt…

Es steht oben schon im Eröffnungsbeitrag:

"Der Tüv Rhein­land stellte seine umstrittenen Beur­teilungen 2008, der Tüv Nord Ende 2009 ein."

Der TÜV SÜD hätte besser das getan, was die beiden TÜV-Schwestern schon vor Jahren getan haben: Die Finger von Dingen lassen, die man nicht versteht.

Anonym hat gesagt…

Der TÜV SÜD hat mit einer Reihe von Bescheinigungen für die S&K Gruppe deren Vertrieb von Beteiligungen an ahnungslose Kapitalanleger gefördert.

Dabei wird der S&K Gruppe vom TÜV SÜD bestätigt, im Juli 2011 einen Immobilienbestand mit einem Verkehrswert von € 101.413.399,00 zu haben, für den im Einkauf nur € 53.444.840,00 gezahlt werden mussten.

Zudem bescheinigt der TÜV SÜD der S&K Gruppe im Zeitraum vom Januar 2006 bis Mai 2011 Immobilien zu einem Preis von € 19.374.771 eingekauft und für € 35.278.710,00 weiter verkauft zu haben.

Diese Bescheinigungen waren im Vertrieb mit Gold nicht aufzuwiegen, bestätigten sie doch den Inhabern der S&K Gruppe, den zusammen mit ihrem eigenen Sachverständigen Zimmer inhaftierten Schäfer und Köller ein großes Geschick im Handel mit Immobilien. Mit diesen Bescheinigungen des TÜV SÜD verkauften sich die Beteiligungen an den verschiedenen Fonds der S&K Gruppe quasi von allein.

Auf Nachfrage von GoMoPa bestätigte der TÜV SÜD bereits im April 2013, keine Immobilienbewertung durchgeführt, sondern lediglich die Immobilienan- und Immobilienverkäufe anhand von durch S&K vorgelegten Dokumenten aufgelistet zu haben. Die vorgelegten Zahlen wurden offenbar arglos übernommen und zur Grundlage des Prüfergebnisses gemacht.

http://www.anwalt24.de/beitraege-news/fachartikel/resch-rechtsanwaelte-tuev-sued-n-dein-freund-und-helfer