Da es immer noch Menschen/Networker gibt die den Unterschied zwischen MLM und Schneeballsyteme nicht kennen oder es viele auch "gerne" vergessen haben, hier eine sehr ausführliche und auch erklärende Pressemitteilung von der Berliner Polizei zum Thema Schneeball-/Pyramidensysteme:
Illegale Schneeballsysteme sind keine neue Erscheinung. Sie gewinnen
aber immer wieder an Aktualität, versprechen sie doch einen großen
Gewinn bei minimalem Aufwand. Mit viel Fantasie und Geschick wird mit
stetig neuen Modellen der schnelle Verdienst versprochen. Am Ende
verdienen jedoch nur die Erfinder und Initiatoren solcher Systeme.
Zurück bleiben beim Teilnehmer nicht nur die Erkenntnis, dass das große
Geld doch nicht auf der Straße liegt sondern meist auch der Verlust
eigenen Geldes.
Was aber sind eigentlich illegale Schneeball- oder Pyramidensysteme?
Illegale Schneeball- oder Pyramidensysteme sind
Geschäftsmodelle, welche im Wesentlichen durch den Bedarf einer ständig
wachsenden Anzahl an Teilnehmern für ihr Funktionieren gekennzeichnet
sind. Teilnehmer werden regelmäßig mit großen Verdienstmöglichkeiten
angelockt, z.B. durch den Vertrieb eines häufig stark überteuerten und
nutzlosen Produktes (Waren, Seminare/Schulungen, Lizenzen etc.), welches
zunächst erworben bzw. bezahlt werden muss. Häufig ist der Einstieg in
das System zusätzlich mit der Zahlung einer „Gebühr“ oder Provision
verbunden. Durch ein ständiges Anwerben neuer Teilnehmer, die wiederum
weitere Teilnehmer anwerben sollen, entsteht eine Struktur, die
Namensgeber für das System ist. Verdienstmöglichkeiten entstehen beinahe
ausschließlich durch die Neuwerbung von Teilnehmern. Man spricht hier
von einer progessiven Kundenwerbung. Das eigentliche Produkt tritt
regelmäßig in den Hintergrund. Wichtig ist das immer neue Einbringen von
Geld in das Geschäftsmodell, welches nach festgelegten Strukturen in
Richtung der Spitze des Systems weitergeleitet wird. Schnell
verdeutlicht sich, dass nur der „Kopf“ der Pyramide tatsächlich an dem
Modell verdient.
Bei genauer Betrachtung muss auch auffallen, dass es einer immer
größeren Anzahl an Teilnehmern bedarf, um das System am Leben zu halten.
Dadurch geraten Schneeballsysteme schnell an ihre Grenzen. Sie sind
kurzlebig und lassen Träume vom großen Verdienst platzen.
Folgendes Beispiel verdeutlicht dies:
Man nehme ein Schachbrett und lege auf das erste Feld ein Reiskorn. Bei
jedem weiteren Feld ist die Anzahl der Reiskörner zu verdoppeln. Schon
auf dem 10. Feld sind
1.024 Körner erforderlich. Auf dem 15. Feld sind es bereits
32.768.
Schnell wird deutlich, dass die Menge der benötigten Körner erheblich
groß wird. Das Feld 22 enthielte eine Anzahl an Körnern, die die
Einwohnerzahl der Stadt Berlin überschreitet.
Nicht alle strukturell aufgebauten Systeme sind unseriös:
Seriöse Betriebe wenden sich weitestgehend an professionelle
Handelsvertreter. Legale Strukturvertriebe, wie das
Multi-Level-Marketing oder Network Marketing, vertreiben ihr Produkt /
ihre Leistung hauptsächlich an Verbraucher, die nicht gleichzeitig Teil
des Vertriebssystems werden müssen. Das Produkt steht hier im
Vordergrund.
Schwierigkeiten bereitet häufig die Abgrenzung von illegalen
Schneeballsystemen zu legalen Strukturvertrieben. Der Übergang ist
fließend und nicht alleine von der Ausgestaltung, sondern auch von
dessen tatsächlicher Umsetzung abhängig.
Betreiber illegaler Systeme meiden bewusst die Bezeichnung „Schneeball-“
oder „Pyramidensystem“ und benutzen stattdessen Begriffe wie
„Multi-Level-Marketing“, um sich so einen seriösen Anstrich zu
verschaffen.
Produkte illegaler Schneeballsysteme sind oftmals:
- Konkurrenzlose, häufig innovative Produkte
- Seminare (u.a. Motivations- und Persönlichkeitsentwicklungsseminare)
- Rabattversprechen für zukünftige Einkäufe
Wie erfolgt der Einstieg in ein Schneeballsystem?
Beliebt sind Präsentationsveranstaltungen, die immer wieder ein ähnliches Schema aufweisen:
- Menschliche Bedürfnisse und das Interesse an finanziellen Gewinnen werden geschickt durch geschulte Moderatoren genutzt.
- Hohe Verdienstmöglichkeiten werden hervorgehoben und dargestellt z. B. mittels Schaubildern
- Es werden nur positive Dinge erzählt
- Für die Produkte werden unbegrenzte Absatzmöglichkeiten versprochen.
- Kritische Zwischenfragen werden unterbunden.
- Eine europhorische Stimmung wird erzeugt.
- Zahlungen, die der Interessant zu leisten hat, werden an das Ende der Veranstaltung gesetzt.
Kontakte werden geknüpft über persönliche Einladungen z. B. durch
Personen aus dem eigenen Umfeld, Zeitungsinserate, Wurfzettel in
Briefkästen und an Pkw, Internetforen etc.
Der Betreiber eines illegalen Schneeballsystems hat ein
großes Interesse, Sie als Teilnehmer zu gewinnen. Er wird geschickt und
psychologisch vorgehen. Lassen Sie sich von „blumigen“ Versprechen nicht
beeindrucken. Nehmen Sie sich die Zeit, Angebote und Produkte zu prüfen
und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Fragen Sie nach, wenn Sie
unsicher sind. Ein seriöser Anbieter wird Ihnen diese Zeit gewähren,
Sie nicht drängen Verträge sofort zu unterschreiben und er wird Ihnen
Fragen beantworten.
Überdenken Sie für sich:
- Bin ich wirklich an dem Produkt interessiert?
- Ist das Produkt wirklich seinen Preis wert oder bekomme ich es woanders günstiger?
- Wird seitens des Anbieters versucht, mich zu beeinflussen?
- Geht es primär um das Werben weiterer Teilnehmer?
- Werde ich zur schnellen Unterschrift gedrängt?
Versprechungen nach schnellem Reichtum sollte kein Glauben geschenkt werden.
Viele Teilnehmer an illegalen Schneeballsystemen verfügen zu Beginn
nicht über den Einstiegsbetrag und werden zur Aufnahme von Krediten
überredet. Bedenken Sie, dass dies Schulden sind, für die Sie selbst
aufkommen müssen.
Schneeballsysteme sind sozialschädlich, da Teilnehmer oftmals zuerst im
privaten Umfeld neue Teilnehmer werben und zwischenmenschliche
Beziehungen ausnutzen. Stellen Sie sich vor, welche Meinung ihre
Familienmitglieder, Freunde und Bekannte von Ihnen haben, wenn sie durch
Ihre Werbung viel Geld verlieren.
Jeder Teilnehmer an einem Schneeballsystem, der selbst Kunden wirbt, macht sich strafbar!!!
In Deutschland sind illegale Schneeballsysteme vom § 16
Abs. 2 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) erfasst. Schon der
„Versuch“, ein Schneeballsystem ins Leben zu rufen, erfüllt den
Tatbestand.
§ 16 Abs. 2 UWG:
Wer es im geschäftlichen Verkehr unternimmt, Verbraucher zur Abnahme von
Waren, Dienstleistungen oder Rechten durch das Versprechen zu
veranlassen, sie würden entweder vom Veranstalter selbst oder von einem
Dritten besondere Vorteile erlangen, wenn sie andere zum Abschluss
gleichartiger Geschäfte veranlassen, die ihrerseits nach der Art dieser
Werbung derartige Vorteile für eine entsprechende Werbung weiterer
Abnehmer erlangen sollen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren
oder mit Geldstrafe bestraft.
Sind Sie Opfer eines Schneeballsystems?
Sollten Sie Opfer eines illegalen Schneeballsystems
geworden sein oder können Sie sachdienliche Hinweise hierzu mitteilen,
so haben Sie die Möglichkeit, sich an nachfolgende Adressen zu wenden:
Informationen zu Betreibern illegaler Schneeballsystemen erhalten Sie auch bei den
Verbraucherzentralen der Bundesländer
.
Quelle: https://www.berlin.de/polizei/kriminalitaet/schneeball.html