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Freitag, 24. Mai 2013

Beschwerden über Almado Energy AG: Mahngebühr und Inkasso für Stromrechnung bzw. Stromabschlag durch DTMI

Strom-Discounter: Billig, aber undurchsichtig
Ärger mit Almado-Energy


Ein bisschen ist es wie mit dem Strom selbst: Er ist da, aber man kann ihn nicht sehen, kriegt ihn nicht zu fassen. So geht es manchen Kunden auch mit ihrem Stromanbieter. Was, wenn der bei Problemen nicht greifbar ist, Beschwerden ins Leere zu laufen scheinen?

Der Preis des Billigstroms


Strom-Discounter haben mit ihren Schnäppchenpreisen in den vergangenen Jahren viele Kunden für sich gewonnen. Denn wer im Internet nach einem neuen Anbieter sucht, stößt auf verlockende Angebote von Branchenneulingen, die den alteingesessenen Stromkonzernen die Stirn bieten. Geht der Schnäppchenpreis zu Lasten des Service?

Viele Beschwerden über Almado-Energy

Einer dieser Billiganbieter ist Almado-Energy mit Sitz in Köln. In Internetforen häufen sich die Klagen. Kunden bemängeln, dass der Stromanbieter bei Problemen kaum zu erreichen sei, auf Anfragen und Beschwerden gar nicht oder nur zögerlich reagiere. Auf der anderen Seite sei die Firma sehr schnell, wenn es darum gehe, Stromschulden durch ein Inkassobüro eintreiben zu lassen.

Im Internet findet man immer wieder Angebote von sogenannten Strom-Discountern.


Verweigerter Bonus

Ein weiterer Vorwurf von Almado-Kunden: Die Firma ködere ihre Kunden mit einem Bonus, der nach einem Jahr gezahlt werden soll. Dann ziehe sie einseitig das Kündigungsdatum vor, so dass kein volles Jahr Strom geliefert werde und der Bonus nicht gezahlt werden müsse.

Firmensitz wirft Fragen auf

Die Kunden sind verunsichert. Bei Konflikten mit dem Stromanbieter geht es meist um Geld, da will man eine schnelle Lösung. Und sie stellen fest: Eigentlich weiß man als Verbraucher fast nichts über seinen Stromanbieter. Wo sitzt der eigentlich? Kann man vielleicht einfach hinfahren und das Problem aus der Welt schaffen? Unter der Geschäftsadresse von Almado-Energy findet sich ein Einkaufszentrum mit angeschlossenen Bürogebäuden im Kölner Stadtteil Weiden. Wir suchen eine Klingel oder ein Firmenschild mit einem Hinweis auf Almado-Energy. Doch ein Kundenzentrum entdecken wir nicht.

Rätselhafter Gemeinschaftsbriefkasten

Es findet sich nur ein Briefkasten, den die Firma sich anscheinend mit diversen anderen Unternehmen teilt: mit dem Stromanbieter Immergrün, der zu Almado gehört, aber auch mit einem Call-by-Call-Anbieter, mit einem Verlag und mit Rechtsanwälten. Insgesamt zählen wir elf Aufkleber auf dem Briefkasten. So stellt sich wohl kaum ein Stromkunde den Geschäftssitz seines Stromanbieters vor.

Nähe zum Inkassobüro

Ebenfalls auf dem Briefkasten zu finden ist das Inkassobüro „Deutsche Telemedien Inkasso“, DTMI, das für Almado Mahnungen verschickt. Wir schlagen die Firma im Handelsregister nach und stellen fest: Bis März 2012 war Almado-Geschäftsführer Antoine Werner Beinhoff auch Chef der Inkassofirma.

Viele Fragen, keine Antworten

Wir fragen nach: Wie erklärt die Firma die verweigerten Bonus-Zahlungen? Gibt es heute noch personelle Überschneidungen zwischen Stromanbieter und Inkassobüro? Wie viele Kunden hat der Stromanbieter eigentlich? Wie viele Mitarbeiter arbeiten dort? Wie ist der Kundenservice organisiert? Klingt nicht, als wären das geheime Informationen, aber das Unternehmen beantwortet keine der Fragen.

„Überflüssige Kostenpositionen“

Ein Interview mit der Geschäftsführung ist nicht möglich, weder vor der Kamera noch telefonisch. Die Kommunikation läuft ausschließlich über E-Mails.

Almado schreibt uns:
„Leider können wir Ihnen keinen gesonderten Ansprechpartner für Presseanfragen zur Seite stellen. Wir sind ein Discountanbieter und versuchen, auf überflüssige Kostenpositionen wo irgend möglich zu verzichten. Dieses Konzept erfährt bei unseren Kunden sehr viel positives Feedback. Bei den heutigen Strompreisen akzeptieren die Verbraucher gerne eine gegenüber Ihrem Grundversorger schlankere Servicequalität.“

Immerhin bietet die Firma an: „Gerne können Sie uns die Verbraucherbeschwerden an diese E-Mail-Adresse weiterleiten, damit wir diese prüfen und im Sinne des Verbrauchers lösen können.“

Mangelnde Transparenz des Strommarkts

Dass man als Stromkunde gut prüfen sollte, mit wem man sich einlässt, haben in der jüngsten Vergangenheit die Pleiten von Flexstrom und Teldafax gezeigt. Viele Verbraucher wünschen sich daher einen offiziellen Ansprechpartner, der Transparenz schafft: Eine Anlaufstelle, bei der Kunden Informationen über ihren Stromanbieter erhalten und nachvollziehen könnten, ob Klagen anderer Kunden über mögliche Qualitätsmängel bekannt sind. Doch eine solche Anlaufstelle gibt es nicht.

Bundesnetzagentur schweigt

Ein Stromanbieter, der Haushaltskunden beliefern will, muss sich zwar bei der Bundesnetzagentur in Bonn sein Unternehmen genehmigen lassen und Angaben zur Firmenstruktur machen. Doch die Bundesnetzagentur gibt diese Informationen nicht weiter.

Schlichtungsstelle Energie beruft sich auf Neutralität

Interessant wäre auch zu wissen, wie viele Beschwerden es über einen bestimmten Stromanbieter gibt. In Berlin sitzt die Schlichtungsstelle Energie. Dort laufen zwar viele Beschwerden von Stromkunden auf, doch die Schlichtungsstelle veröffentlicht nicht, welche Firmen besonders oft betroffen sind. Begründung: Sie will ihre Neutralität in Schlichtungsverfahren nicht gefährden.

Verbraucherschützer fordern „Energie-Marktwächter“

Verbraucherschützer wie Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW kritisieren die undurchsichtige Situation: „Das Modell der Verbraucherzentralen wäre ein Energie-Marktwächter, der Erkenntnisse von der Schlichtungsstelle Energie, der Bundesnetzagentur und den Verbraucherzentralen sammelt und so aufbereitet, dass so mehr Transparenz in den Markt kommt und Kunden dann wissen, mit wem sie es zu tun haben, auf welchen Anbieter sie sich verlassen können und von welchem Anbieter sie besser die Finger lassen.“

Geteiltes Leid im Internet

Anhaltspunkte bieten zurzeit nur Erfahrungen anderer Verbraucher. Es gibt verschiedene Internetforen, in denen man sich eine Meinung bilden kann, indem man die Berichte anderer Stromkunden liest. Beim Vergleichportal Verivox finden sich beispielsweise knapp 2.000 Kundenbewertungen zu Almado-Energy, auch auf der Plattform Reclabox veröffentlichen Kunden ihre Meinung. Bei der Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei „Elixir“ sind so viele Anfragen zu Almado und zum Inkassobüro DTMI eingegangen, dass die Kanzlei ein eigenes Forum eingerichtet hat (siehe Links).

Was tun bei Problemen mit dem Stromanbieter?

Ist der Ärger einmal da, gilt:

Gegen vermeintlich ungerechtfertigte Forderungen sofort schriftlich Widerspruch einlegen und das Unternehmen auffordern, das Problem im Sinne des Verbrauchers zu lösen.

Konnte das Problem nach vier Wochen nicht aus der Welt geschafft werden, kann der Kunde die Schlichtungsstelle Energie anrufen. Diese ist dann laut Gesetz dazu angehalten, innerhalb von drei Monaten ein Schlichtungsverfahren abzuschließen. Das Unternehmen ist gesetzlich dazu verpflichtet, an dem Schlichtungsverfahren teilzunehmen (Energiewirtschaftsgesetz, Paragraf 111).

Augen auf bei der Anbieter- und Tarifwahl

Um Probleme mit Stromanbietern im Vorfeld zu vermeiden, warnen Verbraucherschützer vor folgenden, typischen Verbraucherfallen.

Vorkasse: Ein Jahr im Voraus zu zahlende Abschläge bergen das Risiko, mit leeren Händen dazustehen, falls der Anbieter Pleite geht. Besser Monatsbeiträge vereinbaren!

Bonus: Auch wer sich von einem Bonus ködern lässt, der erst am Jahresende gezahlt wird, geht im Falle einer Insolvenz leer aus. Ein weiterer Grund, sich so ein Angebot nicht schön zu rechnen: Ist man mit dem Anbieter so unzufrieden, dass man vor Jahresfrist wechseln möchte, entfällt der Bonus und die Konditionen sind auf den Monat gerechnet viel schlechter.

Auffällig niedrige Strompreise: Branchenkenner sagen, dass die Anbieter in Deutschland bei den Strompreisen eigentlich keinen großen Spielraum haben. Schließlich müssen alle die Energie erst einmal selbst einkaufen – zum Beispiel an der Strombörse in Leipzig oder bei einem Zwischenhändler. Bei Preisen unter 20 Cent pro Kilowattstunde sollte man hinterfragen, ob die Firma das lange durchhalten kann, ohne selbst Verluste zu machen, und ob eventuell schon nach kurzer Zeit Tariferhöhungen drohen.

>>> http://www.wdr.de/tv/servicezeit/sendungsbeitraege/2013/kw21/0521/00_stromdiscounter.jsp?ch=live

siehe auch > http://www.recht-hilfreich.de/inkasso-frankfurt/inkasso/beschwerden-uber-almado-energy-ag-mahngebuhr-und-inkasso-fur-stromrechnung-bzw-stromabschlag-durch-dtmi/

> http://www.verivox.de/erfahrungen/almado-energy-1-6773.aspx

> http://de.reclabox.com/beschwerde/49402-almado-energy-koeln-almado-energy-dtmi-inkasso

> http://forum.energienetz.de/index.php?topic=17628.30

> http://www.wiwo.de/unternehmen/energie/strom-riskantes-geschaeftsmodell/8090516-2.html

> http://stromforum.org/erfahrung-almado-energy-t924.html

> http://www.gutefrage.net/frage/betrugs-e-mail-von-almado-energy---wer-ist-noch-betroffen

Dienstag, 14. Mai 2013

Bürger speichern Energie eG: Billigstrom - aber nur, wer investiert

Mittlerweile gibt es in Deutschland 650 Energiegenossenschaften, die sich getreu nach dem Motto des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen "Das Geld des Dorfes dem Dorfe" mit durchschnittlich je 30 Mitgliedern ein Windrad, eine Solaranlage oder eine Biogasanlage kaufen, sich selbst mit Strom versorgen oder diesen gewinnbringend ins örtliche Netz einspeisen. Die E.ON Bayern Vertrieb GmbH aus Regensburg zahlt beispielsweise 40 Cent pro eingespeister Kilowattstunde (kWh), soweit die Genossenschaftsmitglieder den Strom nicht selbst verbrauchen.

Allen gemeinsam ist eine lokale Begrenztheit. Diese wird nun von einer neuartigen Genossenschaft gesprengt, die deutschlandweit alle Stromanbieter unterbieten will, in dem sie Solar-, Wind- und Biogasstrom in eigenen Großbatterien speichert und dann verkauft.

 Allerdings gibt es erst eine Beteiligung an einem solchen Speicher. Wo er steht und wie der Betreiber des Speichers heißt, teilt die Genossenschaft nicht mit.

Die Beteiligungen und der Strombezug werden verkauft,
indem Genossen andere Genossen innerhalb einer 8stufigen Vertriebspyramide als Käufer werben, die dann wiederum andere neue Genossen als Käufer der Beteiligungen und des Stromes werben. 






 Da der Stromverkauf nur aus einer einzigen Anlage erfolgt, für die Vermittlung des Stroms und der Beteiligungen sofort Provisionen fällig werden und auf die Genossenschafts-Beteiligungen 5 Prozent Ausschüttungen pro Jahr prognostiziert sind, liegt der Hauch eines potentiellen Schneeballsystems (Ausschüttungen nicht aus Gewinnen, sondern aus Einzahlungen von Kunden) in der Luft.

Der Geno-Strom für 19,9 Cent pro Kilowattstunde

 Seit April 2013 bieten der Viehzüchter Rainer Huhn (45) aus Bergwald in Hessen und der Geflügelschlachter Ekkehard Jung (56) aus Luckau (Niederlausitz, Land Brandenburg) reinen Ökostrom aus eigenen Anlagen oder in Kooperation mit örtlichen Ökostromerzeugern zu einem unschlagbaren Hammerpreis für 19,9 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom plus einer monatlichen Grundgebühr von 8,90 Euro an.

 Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 kWh, zahlt ein Privatkunde für den Genossenschafts-Strom (Geno-Strom) lediglich 902,80 Euro im Jahr. Der Preis wird laut Sromantrag bis 31. Dezember 2014 garantiert. Doch im heutigen Interview mit dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net ruderte Genossenschafts-Chef Ekkehard Jung schon wieder leicht zurück. Das Interview lesen Sie am Schluss des Artikels.

Zum Vergleich:


 Die Marken grünstrom 12 und Grünwelt Energie der bundesweiten Anbieter Stromio und Gas.de kosten 28,98 Cent pro Kilowattstunde Strom. Selbst bei einem Rabatt von 25 Prozent im ersten Jahr liegt der Strompreis immer noch bei 21,74 Cent pro kWh. Die Grundgebühr beträgt 16,12 Euro pro Monat. Im Vergleichsbeispiel mit einem Privatverbrauch von 4.000 kWh im Jahr bezahlt ein Haushalt für grünstrom 12 oder Grünwelt Energie im 1. Jahr 1.014,44 Euro, also 111,64 Euro mehr als bei der Bürger speichern Energie eG, und ab dem Folgejahr 1.352,50 Euro, also 449,70 Euro mehr als bei der Genossenschaft.

 Bei E.ON kostet die kWh Privatstrom 27,48 Cent plus 7,08 Euro Grundgebühr im Monat. Im Vergleichsbeispiel bezahlt der Neukunde mit einem Rabatt von 115 Euro im 1. Jahr 1.069,08 Euro, also 166,28 Euro mehr als bei der neuen Genossenschaft, ab dem 2. Jahr dann 1.184,09 Euro, also 281,29 Euro mehr.

 Und selbst der augenblickliche Preisbrecher aller Anbieter, die ExtraEnergie GmbH aus Chemnitz (Sachsen) mit ihrem Produkt extrastrom12 wird von der Bürger speichern Energie eG vom Billigpreis-Thron gestoßen. Trotz eines beachtlichen Rabatts von 310.62 Euro für Neukunden müssen Privatkunden bei der ExtraEnergie GmbH immer noch 931,86 Euro zahlen, also 29,06 Euro mehr als bei der neuen Genossenschaft. Ab dem 2. Jahr werden dann 1.159,20 Euro fällig (256.40 Euro mehr als der Genossenschafts-Strom).

Der Billig-Ökostrom ist an eine fünfjährige Beteiligung an der Genossenschaft gebunden.

 Den Billigstrom von 19,9 Cent pro kWh bekommt nicht jeder Bürger. Dazu muss man zunächst einmal Mitglied der Genossenschaft Bürger speichern Energie eG werden und sich mit einem Mindestbeitrag von 100 Euro plus 5 Prozent Agio beteiligen.

 Neben der Lieferung von Billig-Ökostrom prognostiziert die Genossenschaft eine Gewinnbeteiligung von 5 Prozent pro Jahr auf die Einlage ohne Agio.

 Wer mehr als den Mindestbetrag von 100 Euro investieren möchte, kann die darüber liegende Zeichnungssumme in 50 Euro Monatsraten abstottern. Allerdings müssen die 5 Prozent Agio auf die volle Zeichnungssumme sofort überwiesen werden. Wer also 3.000 Euro zeichnet, zahlt mindestens sofort 100 Euro plus 150 Euro Agio, insgesamt 250 Euro.

 Falls die Genossenschaft Gewinne macht, werden die anteiligen Gewinnausschüttungen erst einmal zum Auffüllen der gezeichneten Summe genutzt. Wenn es Verluste gibt, werden diese anteilig von den einzelnen Mitgliederguthaben abgezogen.

 Auf das Agio gibt es keine Ausschüttungen. Es ist außerdem laut Allgemeiner Geschäftsordnung "in keiner Form rückzahlbar."

 Die Mindest-Mitgliedschaft in der Genossenschaft dauert 5 Jahre. Ein Auseinandersetzungsguthaben wird innerhalb von 2 Jahre nach Ausscheiden erstattet. Alle Ansprüche verjähren nach 2 Jahren und verfallen dann an die Genossenschaft.

Einziges Projekt auf der Homepage ist eine weitere Genossenschaft

 Als einziges Projekt gibt die Bürger speichern Energie eG auf ihrer Homepage eine weitere Genossenschaft an, die BürgerEnergie Göldenitz eG mit Sitz in Rukieken bei Rostock.

 Die existiert bereits seit dem 27. November 2012 und arbeitet daran, auf dem Dach eines Milchviehhofes einer niederländischen Milchhof Friesin GmbH & Co. KG in Göldenitz (Ortsteil von Rukieken) eine Photovoltaikanlage mit Speichersystem mit einer Gesamtgröße von 750 kWp zu installieren. Später ist auch eine Biogas-Stromerzeugung geplant. Rainer Huhn übernahm am 10. April 2013, also in etwa zeitgleich mit der Gründung der Bürger speichern Energie eG, einen Vorstandsposten bei der Bürgerenergie Göldenitz eG.

 Ob die Stromabnehmerin, also die Milchhof Friesin GmbH & Co. KG, überhaupt in der Lage ist, den Strom auch zu bezahlen, steht noch in den Sternen. Die Milchhof KG wurde 2006 gegründet und wurde mit Anlegergeldern finanziert. Laut letzter veröffentlichter Bilanz 2011 stehen der Kapitaleinlage von knapp 1,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten von rund 1,9 Millionen Euro gegenüber. Diese seien zwar durch Pfandrechte gesichert. Aber Stromrechnungen kann man damit nicht bezahlen.

Gildemeister ist kein direktes Partnerunternehmen

Die Bürger speichern Energie eG gibt als "unsere Partnerfirma" die Gildemeister AG aus Bielefeld an, von der die Genossenschaft Speicherbatterien beziehe.

 Die A+F GmbH aus Würzburg, ein Tochterunternehmen des Gildemeister-Konzerns, verkauft tatsächlich Großbatterien für Sonnenstrom. Ein solcher cellcube FB 400 hat eine Speicherkapazität von 400 kWh und wiegt 60 Tonnen. Er ist so groß wie zwei Schiffscontainer übereinandergestapelt. Man kann sie in Thüringen entlang der Autobahn sehen. Sie werden meist von Stadtwerken gekauft, um eine stabile Stromversorgung zu garantieren.

 Neben Stadtwerken sind vor allem Industriefirmen Kunden der Gildemeister AG, die sich autark, also unabhängig von den Stromanbietern, mit Strom versorgen wollen.

Auf Nachfrage von GoMoPa.net bei der Gildemeister AG, ob diese tatsächlich ein Unternehmenspartner der Bürger speichern Energie eG sei, antwortete Unternehmenssprecherin Nadja Sölter:

Zitat:

Diese Genossenschaft Bürger speichern Energie eG wird von einem Kunden von uns beliefert. Unser Kunde hat einen großen cellcube FB 400 im Besitz.


 So ist die Genossenschaft lediglich an einem cellcube beteiligt und nicht an mehreren, wie der Homepage zu entnehmen ist. Und sie besitzt nicht einmal einen ganzen Speicher für sich allein. Die behauptete Unternehmenspartnerschaft zur Gildemeister AG ist bestenfalls eine Produktpartnerschaft und auch nur indirekt über einen Kunden der Gildemeister AG.

 Von den beiden anderen "starken Partnern" auf der Homepage der Bürger speichern Energie eG konnten wir eine Firma namens Math Omega Energy Management nirgends finden.

 Die außerdem angegebene WF Plain Assets 1 GmbH & Co. KG wurde vor gut einem Jahr gegründet und befindet sich in der Poststraße 13 in Hauzenberg in Niederbayern.

 An dieser Adresse befindet sich laut Impressum der Genossenschafts-Homepage auch der Geschäftssitz der Bürger speichern Energie eG.

 In allen offiziellen Vertragsunterlagen (Beitrittserklärung für die Genossenschaftsmitglieder, Stromvertrag mit der Genossenschaft) wird als Genossenschaftsadresse Juri-Gagarin-Ring 2 in Erfurt angegeben.

 Die Satzung der Genossenschaft vom 2. April 2013 gibt im Paragraphen 1, Absatz 1 als Sitz der Genossenschaft Jena an.

 Als GoMoPa.net die in den Beitrittserklärungen und Stromverträgen angegebene Nummer in Thüringen wählt, funktioniert die Leitung nicht.

Erst als GoMoPa.net die Telefonnummer im bayerischen Hauzenberg wählt, meldete sich eine Service-Dame.

 Als GoMoPa.net darum bat, die Vorstände Ekkehard Jung oder Rainer Huhn sprechen zu wollen, kannte die Dame die Genossenschafts-Chefs gar nicht. Sie fragte zurück: "Wen wollen Sie sprechen?" Direkt verbinden konnte sie nicht, sie rief später zurück und bat um eine schriftliche Anfrage.

 Als E-Mail gab sie info@wfb-energy.com an. Kurz darauf rief sie noch einmal an und berichtigte die E-Mail-Adresse auf info@buerger-speichern-energie.de.

 Die erste E-Mail-Adresse gehört einer WFB Plain Assets Energy GmbH & Co. KG. Sie ist praktisch eine Schwesterfirma der als starker Partner auf der Genossenschafts-Homepage angegebenen WF Plain Assets 1 GmbH & Co. KG. Beide Gesellschaften wurden am selben Tag (21. März 2012) und an selber Stelle (Poststraße 13) in Hauzenberg gegründet.

Genossenschafts-Aufsichtsrat Rainer Firnys

 Beide Gesellschaften werden von dem örtlich bekannten selbständigen Versicherungsagenten Rainer Firnys (41, Rainer Firnys Versicherungen) aus Hauzenberg geführt.

 Komplementärin (persönlich haftende Gesellschafterin) beider Schwesterfirmen ist die WFB Plain Assets Energy Vertriebs GmbH. Diese wurde in der Poststraße 13 in Hauzenberg schon am 19. November 2008 gegründet. Sie hat bis heute keine Bilanzen veröffentlicht.

 Auch hier ist Rainer Firnys Geschäftsführer, allerdings erst seit dem 14. März 2012, wenige Tage vor Gründung der beiden Schwester-Gesellschaften.

 Alle Stromkunden unterschreiben eine Einverständniserklärung, dass ihre personenbezogenen Daten der WF PLAIN ASSETS 1 GmbH & Co. KG "zum Zwecke der Antragsbearbeitung, zur Betreuung und Beratung sowie zur Qualitätskontrolle/-verbesserung" gespeichert werden.

Welche Beratungsqualität darf von Rainer Firnys erwartet werden?

 In der Poststraße 12 in Hauzenberg, dem Geschäftssitz der Strom- und Beteiligungsgenossenschaft, betreibt Rainer Firnys ein Netzwerk Bio. Es handelt sich um eine Agentur, deren Inhaber Firnys ist.

 Auf der dazugehörigen Internetseite Netzwerk-bio.eu unterhält Firnys einen Shop und verkauft als einziges Produkt 21 Sorten Haarfärbemittel (dauerhafte coloration) von der Firma Tints of Natural aus der englischen Hafenstadt Lymington am Ärmelkanal in der Grafschaft Hampshire. Die 120 Milliliter-Flasche kostet bei Firnys 10 Euro.

Ekkehard Jungs 300-Euro-Firma

 Geflügelschlachter Ekkehard Jung, der Vorstandsvorsitzende der Bürger speichern Energie eG, ist seit dem 7. März 2013 gemeinsam mit dem Berliner Jens-Uwe Geyer (42) Geschäftsführer einer am 21. November 2012 gegründeten J&G (Jung & Geyer) neue Energie System Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Sitz ist der Gutshof 1 in Jungs Heimatstadt Luckau bei Cottbus. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt 300 Euro.

 Partner Geyer hat am 21. November 2012 auch noch eine L&H Energy-Projekt UG in der Siemensstraße 7 in Berlin Moabit gegründet. Auch diese Gesellschaft hat ein Stammkapital von 300 Euro.

 Komplementär dieser L&H Energy-Projekt UG ist die von Geyer geführte und am 20. Dezember 2012 gegründete L&H Solar-Projekt UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG. Gegenstand ist nicht etwa der Vertrieb oder eine Investition in ein Energy-Projekt, nein, Gegenstand ist "die Verwaltung eigenen Vermögens".

Der Vorstandsvorsitzende der Bürger speichern Energie eG, Ekkehard Jung, gab GoMoPa.net folgendes schriftliche Interview:

1. GoMoPa.net: Herr Jung, Herr Huhn, Sie kommen ja beide aus der Tierzucht, was war der Anlass für Sie, die Bürger speichern Energie eG zu gründen? Gibt es da für Sie ein Vorbild?


 Jung: "Bereits vor mehr als 2 Jahren lernten wir uns im Rahmen unserer beider Tätigkeiten im regenerativen Bereich auf der InterSolar kennen und stellten Gemeinsamkeiten im Gedankenprozess einer zukünftigen erfolgreichen Fortführung der regenerativen Energiewende ohne das Förderinstrument EEG fest.

 So entwickelten wir im Verlaufe von mehr als 2 Jahren unter Einbindung weiterer Fachleute ein Konzept, welches die Möglichkeit eröffnet, die im Verlaufe der Existenz des EEG-Gesetzes meist als Insellösung errichteten PV-Anlagen als Energieerzeuger zu bündeln, ohne den Vorteil der EEG-Vergütung für jeden einzelnen Besitzer zu gefährden und auf Grund eines zentralen, professionellen Energiemanagements die Effizienz jeder einzelnen Anlage zu steigern und somit die Stromgestehungskosten zu senken. Im Rahmen dieser Konzeption wurde auch der Einsatz von Speicherlösung geprüft und so eine Kooperation mit der Firma Gildemeister geschlossen.

 Durch die Bündelung von bestehender Energieerzeugerleistung und dem Einsatz von ständig verfügbaren Zwischenspeichersystemen eröffnen sich weitreichende Möglichkeiten, sowohl der stabilen und sicheren Stromversorgung direkter Verbraucher, unabhängig des EEG, sowie der zukünftigen Teilnahme am Regelenergiemarkt. Nach weitreichender Überlegung kam für die Umsetzung dieses anspruchsvollen Konzeptes nur eine Genossenschaft in Frage, deren Vorteile sich in Basisorientierung, Bürgernähe und Transparenz darstellen."

2. GoMoPa.net: Wie wollen sie den Strompreis von 19,9 Cent halten, während andere Anbieter mehr als 28 Cent verlangen?

 Jung: "Der Strompreis von 19,9 Cent gilt als Einstiegsangebot für den Zeitraum von 6 Monaten, ähnlich einer Umstellungsprämie, wie Sie andere Anbieter offerieren. Anschließend bekommen die Genossen für 24 Monate einen Preis von 22,22 Cent/kWh. Die von Ihnen genannten 28,0 Cent/kWh sind die Höchstpreise am Energiemarkt."

3. GoMoPa.net: Offensichtlich setzen Sie auf die Speicher von Gildemeister. Die sind so teuer, dass sie sich nur Industriefirmen oder Stadtwerke leisten können. Wie wollen Sie die vielen Speicher bezahlen, die Sie brauchen werden, wenn Sie den Strom deutschlandweit zu dem Billigpreis anbieten wollen?

 Jung: "Teuer ist relativ. Einzig die Nutzungsmöglichkeiten und deren tatsächliches wirtschaftliches Ergebnis können die Investitionsstrategie in Speichersysteme bestimmen. Gildemeister ist einer der wenigen deutschen Speicherproduzenten, welche mit Ihrem System eine Tiefenentladung sowie hohe Zykluszahlen gewährleisten können. Überdies können wir die Präqualifikationsbedingungen für den PRL, SRL und MLR erfüllen.

 Die Speicher werden durch die Genossenschaftsanteile sowie über Banken finanziert und finden ihre Anwendung in den Regionen, in denen die Genossenschaftsmitglieder ihre PV-Anlagen, Windräder, Wasserkraftwerke und Biogasanlagen betreiben. Gemeinsam mit unseren Dienstleistungspartnern nehmen wir mit den Speichersystemen am Regelenergiemarkt teil."

4. GoMoPa.net: Könnten Sie bitte in einfachen Worten erklären, wie das Provisionsprinzip "Genossen werben Genossen" in den acht Stufen praktisch funktioniert?

 Jung: "Zum Provisionsprinzip können wir keine Aussage treffen, da der Vertrieb der Stromverträge einzig und alleine durch die Firma WF PLAIN ASSETS 1 GmbH & Co. KG erfolgt."

5. GoMoPa.net. Welche Rolle kommt den Kooperationspartnern DIS GmbH aus Deggendorf und WF PLAIN ASSETS 1 GmbH & Co. KG zu?

 Jung: "Die DIS GmbH ist uns nicht bekannt. (Anmerkung der Redaktion: Alle Stromkunden müssen unterschreiben, dass persönliche Daten an diese DIS GmbH aus Deggendorf gemeldet werden und dass diese DIS GmbH die Kunden anrufen darf). Wie in Frage 4 bereits beantwortet, besteht ein Dienstleistungsvertrag zwischen der Bürger speichern Energie eG und der WF PLAIN ASSETS 1 GmbH & Co. KG zum bundesweiten Vertrieb der Stromverträge."

6. GoMoPa.net: Was genau ist und macht die Math Omega Energy Management (eine Firma diesen Namens ist nirgendwo eingetragen)?

 Jung: "Die Firma MATHO Energie Management GmbH ist Dienstleister für die Genossenschaft zur Klärung von Netzverknüpfungspunkten, zum Aufstellen der Speichersysteme. Des Weiteren werden von der Firma MATHO Energie Management GmbH die Lastgangberechnungen für Industriekunden vorgenommen und die technischen und elektrotechnischen Infrastrukturen geplant."

7. GoMoPa.net: Wie viele Genossenschaftsmitglieder zählt die Genossenschaft im Augenblick?

 Jung: "Derzeit zählt die Genossenschaft 380 Mitglieder, mit einer regenerativen Gesamtleistung von 72,4 MW. Die Produktionsstandorte der Mitglieder-Anlagen werden innerhalb der nächsten 4 Wochen auf unserer Homepage veröffentlicht."

8. GoMoPa.net: Warum ist ihr einziges Referenzobjekt wiederum eine eigenständige Genossenschaft? Wie viele Genossen hat diese BürgerEnergie Göldenitz eG?

 Jung: "Bei der PV-Anlage Göldenitz handelt es sich nicht um unser einziges Referenzobjekt. Jede bereits installierte Anlage unserer Mitglieder zählt für uns als Referenz. Diese werden, wie zu Frage 7 bereits beantwortet, zeitnah auf unserer Homepage veröffentlicht.

 Das Projekt Göldenitz ist im Rahmen eines Dienstleistungsvertrages an die Bürger speichern Energie eG übergegangen. Derzeit verhandeln die Vorstände mit weiteren regionalen Genossenschaften, um diese in das regionale Versorgungskonzept der Bürger speichern Energie eG einzubinden."

9. GoMoPa.net: Wurde bereits ein Aufsichtsrat bestimmt, wer sind die Mitglieder?

 Jung: "Im Rahmen der Generalversammlung wurden folgende Aufsichtsratsmitglieder gewählt: Herr Rainer Firnys, Herr Horst Neuber und Herr Alexander Wittmann.

 Abschließend möchten wir Sie darüber in Kenntnis setzen, dass im Rahmen unserer Informationspflicht gegenüber unseren Mitgliedern, Ihre Fragen, nebst unseren Antworten, auf unserer Homepage veröffentlichen werden."

GoMoPa.net: Herr Jung, wir danken für das Interview.

 Ein Neuber wurde GoMoPa.net als Hintermann einer MIXenergy e.G. Energiegenossenschaft aus Berlin genannt, die im Jahre 2011 von der Kanzlei Dr. Schulte und Partner Rechtsanwälte aus Berlin und einem Aufsichtsrat dieser Energiegenossenschaft auf GoMoPa.net als Luftnummer und reine Provisionsschinderei-Maschine enttarnt wurde. Nun denn...

Orig. Quelle: http://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=1163&meldung=Buerger-speichern-Energie-eG-Billigstrom-aber-nur-wer-investiert